Förderung von Darmkrebs durch Mundbakterien?

2. Oktober 2016

In der Mundhöhle eines jeden Menschen befinden sich mehrere tausend Bakterien, welche sich beim gesunden Menschen in einem ökologischen Gleichgewicht befinden. Durch mangelhafte Zahnhygiene kann es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichtes zugunsten von Keimen kommen, die Karies oder Entzündungen des Parodontiums (Zahnbett) auslösen. Es ist wissenschaftlich schon länger nachgewiesen, dass diese Keime auch die Entstehung und den Verlauf systemischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen negativ beeinflussen.

Neu ist Erkenntnis, daß ein Zusammenhang zwischen dem in der Mundflora vorkommendem Fusobakterium „Fusobakterium nucleatum“ und der Entwicklung von Darmtumoren besteht. Mittels Tierversuchen in den USA und Israel konnten Forscher zeigen, dass orale Fusobakterien über kleine Verletzungen der Mundschleimhaut in den Blutkreislauf und somit auch in das Gewebe von Darmtumoren gelangen, wo sie sich mit Hilfe des Proteins Fap2 an das Rezeptorprotein TIGIT auf der Oberfläche von den Tumor angreifenden Immunzellen anlagern und dadurch die Zerstörung der Darmkrebszellen verhindern. Außerdem fördern die Fusobakterien indirekt das Tumorwachstum, indem sie an spezielle Zuckermoleküle auf der Oberfläche der Krebszellen andocken und sich vermehren.

Forscher versuchen nun Wirkstoffe, die das Wachstum des Tumors beschränken sollen, in die Darmtumorzellen auf dem gleichen Transportweg wie die Fusobakterien einzuschleusen, wo sie die Andockstelle des Bakteriums an die Krebszelle oder den Bindungsfaktor für die Bakterien an die Zuckermoleküle im Tumor blockieren können.
Erste Versuche am Tier machen Hoffnung, dass dieses Verfahren in Zukunft auch am Menschen eingesetzt werden könnte.

Quelle: „Fap2 Mediates Fusobacterium nucleatum colorectal Adenocarcinoma Enrichement by Binding to Tumor-Expressed Gal-GaINAc“, Jawad Abed et al.; Cell Host & Microbe, DOI: 10.1016/j.chrom.2016.07.006